Die schönsten Online-TIP Stilblüten

Der Thailand TIP Online und das Printmedium Thailand TIP haben schon eine ganze Weile nichts mehr miteinander zu tun. Hier galt offenbar (wie leider oft in der thailändischen Expat-Szene) das Motto „Einigkeit schwächt nur“. Völlig klar ist dabei, dass natürlich ausschließlich der jeweils andere daran schuld ist. Der Gründer der Zeitung, Rolf Dettmar, ist leider zu krank um dem Medium wieder etwas Ordnung und vor allem Qualität einzuhauchen.

Auf Facebook gibt es eine Gruppe, die sich Perlen des Lokaljournalismus nennt. Gut, dass die sich nur mit in Deutschland erscheinenden Zeitungen beschäftigen, sonst könnte man dort wohl die gesamte deutschsprachige „Presse“ in Thailand einfach per RSS-Feed aufnehmen. Irgendwas findet man immer.

Mutanten als Taschendiebe

Mutanten beklauen Amerikaner

Dass es so eine Allerweltsmeldung von Kleinkriminalität, die in Touristenzentren leider überall auf der Welt tagtäglich vorkommt, überhaupt in’s Internet schafft, ist wohl hauptächlich der Tatsache geschuldet, dass ein deutscher „Journalist“ in Thailand permanent auf der Suche nach Dingen ist, die Thailand in einem schlechten Licht da stehen lassen. Warum eigentlich? Schließlich lebt doch auch er hier. Ich jedenfalls habe in all der Zeit hier in Thailand noch niemals einen vierköpfigen Taschendieb gesehen. Und was ist eigentlich ein Baht-Bus? Ein Bus, der Baht spazieren fährt? Nein, es ist ein sogenanntes Songthaeo.
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Das gesättigte Erdreich

Das Erdreich ist satt

Nun gut, ich gebe zu, das könnte man auch einfach überlesen. Jeder weiß, was gemeint ist. Aber solche Schludrigkeit ist halt leider typisch für deutsche Medien in Thailand, die im wesentlichen nur Artikel von englischsprachigen Zeitungen übersetzen um damit mit Google-Adsense Geld an den Klicks zu „verdienen“. Mit dem Urheberrecht, was hauptsächlich Bilder im angeschlossenen Forum betrifft, muß man es da auch nicht immer allzu genau nehmen. Man ist ja in Thailand und der Betreiber ist jederzeit in der Türkei erreichbar. :)
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Kostenloses Thailand

Kostenloses Thailand

Das Free Thai Movement hat nur sehr eingeschränkt etwas mit „kostenlos“ im Sinne von Freibier zu tun. Vielmehr handelt es sich, der Leser ahnt es schon, um Befreiung. Ach ja, wenn man halt auch ein wenig nachdenken würde, wenn man schon Google Translate benutzt zur „Recherche“.
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Hässliche Begegnung im Spital der dreizehn Stiche

Das Spital der dreizehn Stiche

Zunächst einmal scheint hier ein Lady-Boy plötzlich „hässlich“ geworden zu sein (schon wieder ein Mutant) und griff den armen Zeitgenossen mit einem Stöckelschuh an, mit einem „hochhackigen“ gar. Worauf jener dann im „Spital mit dreizehn Stichen“ eine Behandlung über sich ergehen lassen musste. Welche Behandlung das war und was schlußendlich aus dem ganzen Vorfall geworden ist, erfährt man nicht. Ja, zuweilen macht die Stellung eines Wortes im Satz durchaus einen Unterschied. Auch dann wenn die Fahrerin des gegnerischen Autos, eine Ente, einen Hals-Wirbel-Traum erlitt.
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Es begab sich danach ins Meer…

Meer in Schwierigkeiten

Ich habe keine Ahnung, ob die beiden Sätze nun grammatikalisch richtig sind, eins ist aber sicher, sie lesen sich höchst eigen­artig. Wer auf einer Liege liegt, ist erst einmal nicht unbedingt ein Opfer, sicher erst nach dem Unfall. Im zweiten Satz allerdings besagt das zweite „es“ eindeutig, dass das Meer nunmehr in Schwierigkeiten kam und Schwimmer ihm zu Hilfe eilten. Das arme Meer. Kennt noch jemand das Zitat: „Es reibt sich jetzt mit der Lotion ein…“? Auf den TIP bezogen sollte es lauten: „Es hört jetzt mit dem Schwachsinn schreiben auf, sonst kriegt es wieder eins mit dem Schlauch verpasst!
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Auf der Suche nach den Morden

Super ultra extra brutal

In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde wurde auf Ko Tao ein britisches Urlauberpaar auf grausame Weise ermordet. Während die thailändische Polizei bereits auf der Suche nach den Mördern ist, sucht der TIP noch immer nach den Morden. Aber das ist durchaus verständlich, denn angesichts der Brutalität (was gleich dreimal wiederholt wird in dem kurzen Text), kann einem die Tastatur schon mal einen Streich spielen. Korrekturlesen? Keine Zeit! Die Leser werden schon wissen, was gemeint ist.
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Update 13:18 Uhr: Man kommt kaum mit den Updates nach. :)

Lippenstift unter Tatverdacht

War der Lippenstift der Mörder?

Die Morde werden wohl weiterhin gesucht, aber ein „polizeibekannter Lippenstift“ macht sich jetzt sehr, sehr verdächtig mit seinen DNA-Spuren an der Zigarettenkippe. Und wenn „gleich zwei Menschen“ an einer Zigarette ziehen, macht das die An­ge­legen­heit kaum einfacher. Kann man denn da nicht beiden jeweils eine Kippe geben?
Zum Orginalartikel und als Vergleich der völlig korrekte Bericht von Thai PBS, der vom TIP vergewaltigt „übersetzt“ wurde.

Es ist erschütternd und traurig zugleich, dass man sich nicht einmal bei so einem ernsten und tragischen Thema die Mühe macht, Korrektur zu lesen und zu überlegen, bevor man so etwas absondert. Mannomann.

Update 26. September 2014:

Mit dem Leben bedroht

Bedroht mit dem Leben

Manche Zeitgenossen scheinen schon so hirntot zu sein, dass nur noch die Drohung mit dem Leben sie aus der Reserve zu locken vermag. Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen? „Still jetzt, oder lebe!“ Was macht man dann? Schreien? Immerhin scheint es geholfen zu haben, denn „Sie machte sich dann auf zur Sukhumvit Straße“. Genau. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
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Update 28. September 2014:

Streitigkeiten auf Phuket

Messerstecherei mit Australier

Das ist zwar keine Stilblüte, aber ein schönes Beispiel dafür, wie Tatsachen verdreht werden, um der Zielgruppe zu „gefallen“. Wer sich nämlich wehrt, der wurde angegriffen und hat zur Gegenwehr natürlich jedes Recht. Das ist in diesem Fall aber keineswegs sicher. Phuketwan schreibt da nämlich wesentlich objektiver:

[…] According to the three boys, they were setting off firecrackers along beach road about 11pm opposite the Baanthai Beach Resort when the Australian man and a friend, stripped to the waist, walked by on their way back from Soi Bangla. The boys said the Aussie man started an altercation and the boys walked away, but the Australian man broke a bottle and stabbed one of them in the back. […]

Die Darstellung der beiden Australier steht nicht im Artikel der Phuketwan. Folglich kann man ohne weiteres den Schluß ziehen, dass es die Australier waren, welche die Thai-Jugendlichen zuerst angepöbelt haben, worauf es zur Eskalation kam. So eine Schlagzeile macht natürlich in einem stramm-deutschen Anti-Thai Hetzblatt zu wenig her. Da klickt die Ziel­gruppe kaum drauf. Man war nicht dabei, man weiss nicht, wie es gewesen ist. Sicherlich werden beide Parteien ihren Anteil an der Auseinandersetzung gehabt haben. Aber genau das zu schreiben und am Ende den Urlaubern Ratschläge zu geben, wie man so etwas vermeidet, ist wohl nicht sensationell genug.
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Update 2. Oktober 2014:

Leiche „unterschlagen“

Leiche unterschlagen

Als wäre das Verbrechen nicht schon schlimm genug, soll der unselige Zeitgenosse nun auch noch die Leiche „unterschlagen“ haben. Leichen indes unterschlägt man nicht, sondern man verbirgt sie. Jedenfalls wenn man den Artikel bei Coconuts Bangkok richtig übersetzen würde. Dort ist die Rede von „concealing“ und das heißt auf Deutsch nun einmal „verbergen“. Ich bin kleinlich? Das ist doch keiner Erwähnung wert? Ja, Sie haben Recht! Ich hätte das auch gar nicht erwähnt wenn nicht im, für seine Qualität ebenfalls berühmt-berüchtigten TIP Forum, stante pede folgender Kommentar gekommen wäre:

[…] Der Zug-Vergewaltigungsmörder dieser 13 jährigem würde u.a. Auch deshalb angeklagt, weil er „Leichen­­unterschlagung“ begannen hat,ja ich finde auch, man sollte Leichen immer „griffbereit“ über die Schulter tragen. Man könnte meinen all‘ diese Greultaten und Ihre „Ermittler“ spielen sich im tiefsten Afrika ab. […] – Patti1, TIP Forum

Die Rechtschreib- und sonstigen Fehler habe ich orginalgetreu mitkopiert. :)
Man könnte fast meinen, das sei Absicht. Die perfekte Hetzmaschine: Der TIP-Redakteur übersetzt falsch, was zur Folge hat, dass wegen exakt diesem Übersetzungsfehler Thailand als Ganzes wieder einmal dastehen soll wie ein Volltrottel, der aber in Wirklichkeit ganz jemand anderer ist… Wenn Sie meinen, dass das ein Moderator irgendwann richtig stellt, liegen Sie allerdings falsch. Billigste Hetz-Propaganda noch unter BLÖD-Niveau. Aber viele von denen leben hier! Und die Moral von der Geschicht‘ – unterschlage mir die Leichen nicht!
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Update 10. Oktober 2014:

Zur Flucht gezwungen

Zur Flucht gezwungen

Wie im Wilden Westen geht’s in Phuket zu. Nachdem erst eine „dramatische Schießerei“ stattgefunden hatte, konnte die Polizei sich am Ende doch noch durchsetzen – sie zwang den Räuber einfach zur Flucht. Danach „humpelte“ er noch zu seinem Fahrzeug, wo die Staatsmacht ihn endlich „überwältigte“. Ein völlig neuer Aspekt der Polizeiarbeit in Thailand. Hier zwingt man die Täter einfach zur Flucht und man ist sie los. Vorbildlich.
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Fazit

Wenn Sie die Schnipsel der Screenshots in den Original-Artikeln nicht mehr finden, dann habe ich mein Ziel erreicht und das Zeug wurde korrigiert. Ausgewogene und fundierte Berichterstattung ist ja leider heutzutage in Europa schon ein Fremdwort geworden. Für deutschsprachige Medien in Thailand gilt das umso mehr. Es geht offensichtlich nur um Buzz-Words, Klicks und damit erzielte Einnahmen aus Werbung.

Permanent negative Artikel über Thailand sind nicht investigativ, ein Attribut mit dem man sich nur allzu gerne schmücken möchte. Sie nerven, weil sie verzerren und letztlich allen Auswanderern schaden. Wer wohnt schon gerne in einem Land, in dem es angeblich „drunter und drüber“ geht? Das tut es nicht. Thailand ist ein liebenswertes Land mit liebenswerten Menschen. Dass auch in Thailand nicht alles Gold ist was glänzt, ist unbestritten. Wer aber Mißstände aufdecken will, sollte sich von seinem Sessel erheben, mit Menschen reden und dann erst schreiben. Unreflektiertes Abschreiben und Übersetzen von dem, was andere schon (ab)geschrieben haben, ist Gossen-Journalismus aus der untersten Schublade, bei dem „es von Horrorstorys über ermordete Landsleute, deren Ableben nicht selten als Selbstmord kaschiert wird, nur so wimmelt“.

Wenn Sie mich fragen, welche deutschsprachigen Medien über Thailand noch lesenswert sind, dann fällt mir nur Der Farang (zugeschnitten eher auf Expats) sowie thaizeit.de (eher für Urlauber) ein. Ich finde das sehr schade. Guter Journalismus aus Thailand sollte doch eigentlich möglich sein. Die Politik sollten wir ohnehin den Thais überlassen, wir können sie allenfalls analysieren. Dann aber fundiert bitte, nicht reisserisch.

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