TYPO3 Version 6.2.0 – Erste Eindrücke

Am 25. März 2014 ist die lang erwartete neue LTS Version von TYPO3 erschienen. Ich habe sie unter Mac OS X und Mamp Pro 3.0.3 installiert und ein wenig damit herum gespielt. Probleme bei der Installation gibt es kaum, wenn die Installationsanleitung befolgt wird. Was als erstes auffällt ist, daß es das Source- und Dummy-Package nicht mehr gibt. Die „fehlenden“ Verzeichnisse (typo3conf, uploads, fileadmin, typo3temp) werden, nachdem man in der Webroot eine leere Datei namens FIRST_INSTALL angelegt hat, automatisch erzeugt. Es wird die Verwendung von SSH und symbolischen Links empfohlen, was durchaus sinnvoll ist, da ein Upgrade auf eine neue Version auf diese Weise sehr einfach und schnell durchzuführen ist. Wer lediglich einen FTP-Zugang zum Server hat, kann TYPO3 Version 6.2.0 ebenfalls installieren, ein Upgrade ist dann aber mühevoller.

Introduction Package installieren

Nach der Installation steht man natürlich mit einer komplett leeren Seite da. Das Introduction Package kann jetzt direkt über den Extension Manager installiert werden. Hierzu, wie abgebildet, im Extension Manager Get preconfigured distribution auswählen und dann beim Introduction Package auf Install klicken.

Das Introduction Package kann jetzt direkt vom TYPO3 Backend aus installiert werden

Fehlermeldung nach Installation des Introduction Package

Nach einer Weile sind drei zusätzliche Extensions installiert, nämlich bootstrap_package, introduction und realurl. Bei Aufruf des Frontends erscheint allerdings nebenstehende Fehlermeldung. Dieser Fehler ist bereits bekannt und behoben, es wird wohl schon in Kürze eine neue, fehlerbereinigte Version geben.

Man kann diese Klippe aber leicht umschiffen, indem man den Ordner /typo3conf/ext/introduction/initialisation/Files/images/theme/ nach /fileadmin/introduction/images/ kopiert. Anschließend lässt sich das Frontend ohne weiteres Zutun aufrufen, auch realurl funktioniert sofort und fehlerfrei.

Im Ergebnis hat man dann ein auf Bootstrap basierendes, responsive Layout, das einen sehr guten Eindruck macht. Allerdings ist es kaum geeignet, darauf aufbauend eigene Designs umzusetzen, dazu ist es wohl auch nicht vorgesehen. Vielmehr soll das Introduction Package einen umfassenden ersten Eindruck des Gesamtsystems vermitteln, was auch gut gelingt. Was sich hinter dem „helloworld package“ und der „Router Distribution“ verbirgt, lässt sich auch per Google-Suche nicht klären. In der deutschen TYPO3-Mailingliste war indes davon die Rede, daß es sich bei den beiden Paketen nur um einen „Test“ handelt. Man würde sich mehr Dokumentation wünschen, insbesondere dazu, wie man eigene Precofigured Distributions erzeugt und einbindet. Denn der richtige Weg scheint dies auf jeden Fall zu sein: Installierbare TYPO3-Themes, die sich nach Belieben auswechseln lassen.

Der Extension Manager

zeigt leider Gottes immer noch alle TYPO3-Plugins an (bei mir sind das 6090), auch diejenigen, die unter TYPO3 Version 6.2.0 wohl gar nicht mehr lauffähig sind. So läßt sich beispielsweise das seit Jahren an erster Stelle stehende a1_teasermenu (ein uraltes Schätzchen aus dem Jahre 2004) anstandslos installieren, aber leider nicht benutzen. Hier herrscht zweifellos noch großer Handlungsbedarf. Ein Plugin, das nicht benutzt werden kann, hat in einer Liste der verfügbaren Plugins nichts zu suchen. Warum diese unsäglichen, alten Plugins nicht endlich nur noch dort erscheinen, wo sie auch funktionieren, wissen nur die (TYPO3-) Götter.

TemplaVoila und TYPO3 Version 6.2.0

TemplaVoila in der Version 1.8.0 funktioniert leider nicht mit der neuen TYPO3 LTS Version. Wenngleich das für mich ein K.O. Kriterium gegen TYPO3 sein würde, falls das so bliebe, besteht nach wie vor Hoffnung, daß es bald eine unter TYPO3 6.2.x lauffähige Version von TemplaVoila geben wird. Das wurde mehrfach versprochen, Tolleiv, der frühere Maintainer von TemplaVoila, hielt es im Juni vergangenen Jahres für wahrscheinlich und es sind heute bereits Bestrebungen im Gange, zu verwirklichen, was viele Benutzer wollen. So hat der Bug #49983, der sich damit befaßt, immerhin 14 Unterstützer und ein Benutzer namens wouter90 stellt bereits eine halbwegs unter Version 6.2.0 lauffähige Version bei GitHub zur Verfügung.

Mehrfach schon habe ich in diesem Blog darauf hingewiesen, daß man eine TYPO3-Extension die mehr als 300.000 mal heruntergeladen wurde und von sehr vielen Anwendern auch heute noch eingesetzt wird, nicht einfach „sterben“ lasssen darf. Das ist für mich eine Frage des Stils und des Respekts gegenüber den TemplaVoila-Entwicklern und denjenigen, die TemplaVoila verwenden, zumal Alternativ-Lösungen so vehement gepusht werden, daß man es nicht mehr lesen mag. Ein K.O. Kriterium gegen TYPO3 wäre das für mich vor allem deshalb, weil es eine Diskontinuität darstellen würde, die sich jederzeit wiederholen kann. Wer soll denn heute voraussehen, ob in ein paar Jahren den heute hochgelobten TemplaVoila-Alternativen nicht das selbe Schicksal widerfährt?

Die Stärke von TemplaVoila liegt darin, daß man eben keinen ausgebildeten TYPO3-Profi braucht, um HTML-Vorlagen zu erstellen, die anschließend vom CMS verwendet werden können. Bei allen TemplaVoila-Alternativen brauche ich von Anfang an einen TYPO3-Entwickler, das ist unwirtschaftlich und wäre folglich ein K.O Kriterium gegen TYPO3 — jedenfalls für mich und unsere Firma.

Fazit

Die neue TYPO3 Version macht einen sehr guten Eindruck. Mit Lob und Dank an die Core-Entwickler sollte nicht gespart werden, die letzten drei Monate waren mit Sicherheit sehr stressig für das gesamte Team. Man ist auf dem richtigen Weg, aber die Reise ist noch nicht zuende. Produktiv einsetzen sollte man die Version 6.2.0 derzeit allerdings noch nicht. Bugfix-Releases werden mit Sicherheit in den nächsten Wochen und Monaten kommen.

Mit heisser Feder geschriebene „Gefälligkeitsartikel“ schaden zuweilen wohl mehr als sie nützen, geben sie doch den in Heise-Foren gar nicht so seltenen „Allwissenden“ nur wieder eine Bühne, um über TYPO3 unqualifiziert herzuziehen. „Willkommen im Marketing“, schrieb mir einmal jemand, der in der TYPO3-Szene kein Unbekannter ist. Nun gut, aber viel besser wäre es für TYPO3, wenn es bereitstellen würde, was eine große Zahl an Anwendern wünscht, statt jenen nur den Vorwurf zu machen, sie hätten die ganz tollen Neuerungen nur „nicht richtig verstanden“, während es den Protagonisten eigentlich nur um’s Geld geht. Auch in Beiträgen in der deutschen TYPO3-Mailingliste wird dies immer wieder mehr als deutlich. Schade eigentlich, sehr schade sogar.

[…] Es ist offensichtlich nicht klar, dass man damit die Stärke von TYPO3 auf’s Spiel setzt. Die besteht meiner Ansicht nach in der Community. Wenn aber kleine Entwickler, Freiberufler usw. abgehängt werden, weil der Aufwand, sich mit TYPO3 zu beschäftigen, nur noch für große Agenturen leistbar ist, dann wird es untergehen. […] Deutsche TYPO3 Mailingliste am 28. März 2014