concrete5: Eine TYPO3 Alternative?

In diesem Blog habe ich bereits mehr als einmal darauf hingewiesen, daß ich, nach über 10 Jahren TYPO3 Begeisterung, mich in eben diesem CMS einfach nicht mehr wieder finde und auch nicht mehr so recht wohlfühle damit. Einer der Hauptgründe dafür ist, daß es heute nahezu unmöglich geworden ist, das System TYPO3 noch nachzuvollziehen und mit einiger Sicherheit zu wissen, wohin die Reise eigentlich geht. Zu viele Strömungen, zu viele Köche die, nach meiner Meinung, den Brei verderben. Es galt also, für unsere Firma Alternativen zu suchen, was ich seit einem halben Jahr auch tue. Eine der Alternativen ist sicherlich Drupal, aber mehrere sind besser als eine. So kam Concrete5 CMS in’s Spiel.

Als ich concrete5 zum ersten Mal installiert hatte, das Ergebnis sah und das Konzept einigermaßen begriffen war, fiel mir sofort eine uralte Werbeanzeige ein: „While dBase promises the moon, Clipper delivers.“ Ich erspare dem Leser eine lange Erklärung, Insider werden nach dem ersten Screenshot sofort die Parallele erkennen…

Concrete5
Das ist kein TYPO3 Neos Screenshot, nein, das ist concrete5

Ein Backend gibt es bei concrete5 nicht, alles findet im Frontend statt. Nun wird auch der oben zitierte uralte Werbespruch klar, den man wie folgt abwandeln könnte: „While TYPO3 Neos promises the moon, concrete5 delivers.“ Und zwar ohne dauernde vollmundige Ankündigungen, News und Jubelbeiträge. Es funktioniert einfach. Die Betonung liegt hier wirklich auf einfach. Die Auftraggeber der handvoll Projekte, die wir mit concrete5 bisher durchgeführt haben, lehnten allesamt eine Einführung per Skype-Konferenz dankend ab. Sie brauchten sie einfach nicht, das System wurde auf Anhieb intuitiv verstanden.

Auch unsere Entwickler waren von Anfang an von concrete5 begeistert. Man nehme eine fertige HTML-Vorlage, inklusive des zugehörigen CSS (beides darf gerne auch direkt von der Agentur kommen) und integriere es in concrete5. Die dazu notwendige Dokumentation kommt in einer klaren, verständlichen und kompromisslosen Sprache daher, meistens mit Videos – auch in deutsch.

Ich kann Kundenanforderungen erfüllen und die abgenommenen und vom Endkunden akzeptierten HTML-Vorlagen direkt verwenden. Die Integration in das concrete5 System erfolgt mit einer einzigen Zeile Code, die Dynamisierung der einzelnen Blöcke geht Schritt für Schritt vonstatten. Auf diese Weise kann ein Team daran arbeiten und auch weniger erfahrene Mitarbeiter können ihren Teil beitragen und die komplizierteren Schritte zunächst anderen überlassen und sich immer besser in das System einarbeiten. Man braucht keinen „spezialisierten Entwickler“ um überhaupt einmal anfangen zu können.

Jede concrete5 Installation verfügt über ein sauber gekapseltes Kernverzeichnis, welches nie bearbeitet werden muss. Falls Entwickler doch einmal Dateien im Kernverzeichnis überschreiben müssen, gibt es bei concrete5 eine Struktur, die ein Ersetzen der Datei über eine Referenz in einem seperaten Verzeichnis ermöglicht. So werden auch bei Updates selbst erstellte (Core-) Dateien integriert und müssen nicht manuell eingebunden werden.

Die View-Ebene kann für alle Blöcke über ein Template angepasst werden. Controller, Events und weitere Methoden, die man von einem ausgewachsenen Framework für Anwendungen erwartet, stehen zur Verfügung. Die Erstellung von kundenspezifischen Plugins gelingt jedem einigermaßen begabten PHP-Entwickler auf Anhieb, ohne Bauchschmerzen. Auch hier ist die Dokumentation für Entwickler geradezu vorbildlich klar strukturiert. Man muß nicht Sherlock Holmes heißen, um die Funktionen einer Klasse erstens zu finden und zweitens zu verstehen. Von TYPO3 bin ich da leider, leider, gerade in der jüngsten Vergangenheit ganz anderes gewöhnt. Ein Entwickler, der die deutsche Sprache nur mittels Google-Translate einigermaßen verstehen kann, ist bei TYPO3 verloren – bei concrete5 jubelten bisher alle, denen ich die Links zur Doku für’s Wochenende als „Hausaufgabe“ mitgegeben habe.

concrete5 wird auch als kostenpflichtige Enterprise-Version angeboten (etwas, das ich mir bei TYPO3 schon seit Jahren wünsche, einfach um mir nicht ständig den Vorwurf, man solle halt „mitmachen und lernen“ anhören zu müssen) – auch eine Zertifizierung wird angeboten. Ich will nämlich nicht „mitmachen“, ich will und muß benutzen und anwenden. Ich zahle gerne, wenn dafür kompetente und erstklassige Unterstützung geboten wird und zwar in Englisch.

Ist concrete5 eine TYPO3 Alternative?

Für mich ist es ist noch zu früh, diese Frage eindeutig zu beantworten. Es wird sich herausstellen, sobald wir das erste, wirklich technisch anspruchsvolle Projekt damit umzusetzen versuchen. Eines ist jetzt schon sicher: Für einfachere Projekte, bei denen Kunden die Wahl des CMS uns überlassen, setzen wir nur noch concrete5 ein (für Blogs natürlich WordPress). Sobald ich concrete5 hundertprozentig verstanden habe und beherrsche, wird diesbezüglich eine Entscheidung fallen. Die Signale stehen allerdings jetzt schon alle auf grün.

Updates

Wenn man dieser Vergleichstabelle glaubt, steht concrete5 keineswegs auf so verlorenem Posten, wie manche Kommentatoren es glauben machen wollen. Insbesondere die proprietäre Template-Sprache Fluid und das PHP-Framework FLOW3 stört mich sehr bei TYPO3 und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Man findet dafür keine ausgebildeten Entwickler, weder in Südostasien noch im Pazifik-Raum. Man findet noch nicht einmal Leute, die es lernen möchten, weil es ihnen bei der nächsten Karriere-Station absolut nicht weiter hilft.