Budget für Neos und Flow um die Hälfte gekürzt

Wie die TYPO3 Association gestern bekanntgab, wird im Jahr 2013 die Weiterentwicklung von TYPO3 CMS Version 6 stärker in den Vordergrund gerückt. Die Association folgt damit dem eindeutigen Votum ihrer Mitglieder, was ich sehr begrüsse. Dem Entwicklerteam um TYPO3 Version 6 steht somit ein unverändert genehmigtes Jahresbudget von mehr als 100.000 Euro zur Verfügung. Gleichzeitig wurde das beantragte Budget für TYPO3 Neos und Flow3 um 50% gekürzt sowie die Budgets von Neos und Flow voneinander getrennt, wie es das EAB gefordert hatte.

Wenn man die News von typo3.org kennt und das gängige „TYPO3-Sprech“ in Betracht zieht, so kann man durchaus von einem „Erdrutschsieg“ für die TYPO3-Version-6-Fraktion reden. Noch nie hat die TYPO3 Association mit so deutlichen Worten eine Marschrichtung vorgegeben, auch das scheint eine neue und gleichzeitig erfreuliche Entwicklung zu sein.

Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass TYPO3 ein Content Management System ist, bei dem der Terminus „geht nicht“ schlechterdings nicht vorkommt. Bei der Frage eines Kunden nach einem bestimmten Feature geht es niemals darum, ob es machbar ist oder nicht — es geht immer. Lediglich der Aufwand und die dadurch zu erwartenden Kosten gilt es einzuschätzen.

Dieses System wurde entwickelt von einer Person — Kasper Skårhøj aus Dänemark, der für die Entwicklung keineswegs ein sechsstelliges Euro-Budget zur Verfügung hatte und sich leider aus der TYPO3-Community weitgehend zurückgezogen hat. Dieses System verwende ich seit der Version 3.5.x und es hat mich nie im Stich gelassen. Klar, die Lernkurve ist steil, aber wenn man sich erst einmal eingearbeitet hat, ist es genial und überall einsetzbar. Nun bilden sich gewisse Leute ein, der Code sei nicht mehr „schön“ genug und man müsse alles über Bord werfen und was Neos Neues müsse her. Unbedingt. Bewährtes sei schliesslich nicht mehr zeitgemäss und wer Bewährtes will, sei ein „ewig Gestriger“.

Vier Jahre und 700.000 Schweizer Franken später haben wir nun eine TYPO3-Neos-Demo-Version und ein Blog, das unter Neos läuft. Wow, jetzt muss ich nur noch eine Schulung zum Preis von etwa 1.000 Euro bei Herrn Lemke buchen und schon kann ich mit Neos ein Blog aufsetzen, was mit WordPress allerdings in 10 Minuten und kostenlos möglich gewesen wäre. Ob das dann auch alle Features hat, wie WordPress sie bietet, ist zwar nicht so ganz sicher, aber der Code ist „schön“. Bravo.

Warum, so frage ich mich, entwicklen diese, zweifellos brillanten, Programmierer ihr CMS nicht auf eigene Kosten? Warum soll es von der TYPO3-Lokomotive gezogen werden? Wenn es fertig ist und sich am Ende als gut erweist, wird es sich am Markt durchsetzen und dann ist immer noch Zeit, das investierte Geld durch allerlei Massnahmen (Schulungen, Konferenzen, Bücher usw.) wieder herein zu holen. Aber doch nicht schon vorher, bitteschön!

Bei TYPO3 Neos ist absolut nichts mehr so, wie wir es vom TYPO3 CMS her gewöhnt sind. Und es ist äusserst fraglich, wann es schliesslich alle Features von TYPO3 „geerbt“ haben wird (Workflow, Benutzerrechte, Skalierbarkeit, Ausgereiftheit und vieles mehr). Nach noch einmal vier Jahren? Nach nocheinmal 700.000 Schweizer Franken? In der Zwischenzeit füllen sich die Protagonisten die Taschen und sind dann in ihrem kleinen Reich die Könige, während Hunderte von kleinen Agenturen Tausende von Mitarbeitern umschulen müssen, nur weil ein kleiner Zirkel von Programmierern im Elfenbeinturm es gern so hätte. Irgendwie fallen mir da die Lemminge ein. Nein, Danke.

Mir bleibt zum Schluss nur, mich bei der TYPO3 Association sowie bei deren Mitgliedern zu bedanken, die für ein eindeutiges Votum pro TYPO3 CMS Version 6 gesorgt haben. Zumindest ein neues Mitglied kann die T3A im Jahre 2013 erwarten: Mich. Und alle, die diesen Beitrag lesen und mit TYPO3 Geld verdienen, sollten dies ebenso tun. Wir können etwas verändern und wir können TYPO3 so gestalten, wie wir das wollen.