Wieder zuhause

Nach einer Pause von ziemlich genau zwei Jahren bin ich nun wieder für T3NET tätig. Der Firma, die ich vor über vier Jahren in Thailand gegründet habe und über deren Entstehung ich hier ein wenig erzählen möchte.

Eines gleich zu Anfang: Ich nenne keine Namen (ausser von Leuten, die sich fair verhalten haben), es ist viel zu viel Zeit vergangen, als dass mich das noch belasten würde. Aber diejenigen, die sich hier angesprochen fühlen, sind durchaus auch gemeint. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind kein Zufall, sondern Absicht. Und ja, ich schreibe hier ausschliesslich meine Meinung aber – nur die Wahrheit.

Wenn Sie, lieber Leser, erst kürzlich von T3NET zum ersten Mal gehört haben, wird sich das Lesen dieses (zugegeben) viel zu langen Artikels für Sie kaum lohnen. Sie werden ihn schwerlich verstehen können. Oder vielleicht doch? Anyway, viel Spass beim Lesen.

Die Ära Düsseldorf

Die Gründung von T3NET im Jahre 2005 war ein Joke, ein Witz, etwas völlig Ungeplantes. Dirk Jesse hatte kürzlich YAML veröffentlicht und ich hatte in einem Forum darüber gelesen. Ich arbeitete damals bereits seit fünf Jahren mit TYPO3 und hielt es für eine praktikable Idee dieses YAML in TYPO3 zu integrieren, um ein Paket verfügbar zu haben, mit dem sich schnell neue Websites basteln lassen. Das war recht schnell erledigt und wollte veröffentlicht werden. Aber wie? Ich hatte keine geeignete Domain, nicht einmal einen passenden Namen. Ein damaliger Kunde (von dem wird gleich noch die Rede sein) half aus. Der Name T3NET sei ganz gut, die Domain war noch frei und so entstand die Firma und die Subdomain yaml.t3net.de, die es nicht mehr gibt.

Die Veröffentlichung von YAML für TYPO3 wurde ein überwältigender Erfolg mit dem niemand, ich am allerwenigsten, gerechnet hatte. Tausende und Abertausende von Backlinks sorgten dafür, dass die Domain t3net.de schliesslich einen Google Pagerank von 7 hatte, meines Wissens der höchste Pagerank, den je eine TYPO3-Agentur in Deutschland hatte oder gegenwärtig hat.

Dass so etwas Zeitgenossen auf den Plan ruft, denen ich besser nicht begegnet wäre, wurde allerdings erst später klar. Kurzum, T3NET war gegründet (durch das Besorgen eines Gewerbescheines in Düsseldorf für 20 Euro). Somit war der Boden geebnet für die Ära Paco, aber vorher klären wir noch etwas anderes…

Das Logo

Wenn es um Grafik-Design geht, habe ich nicht nur zwei linke Hände, sondern schaffe es sogar, etwas Gutes soweit zu Verschlimmbessern, dass man es niemandem mehr zeigen kann. Vor diesem Hintergrund war es undenkbar, dass ich mich an das Gestalten eines Logos heranwagen würde. Ein lieber Mensch, der oben genannte damalige Kunde, half erneut. Er gestaltete die Reinzeichnung des Logos, wofür ich im Gegenzug für ihn ein paar Programmier­arbeiten durchführte. Somit ist einwandfrei bewiesen, dass jener Designer der Urheber des Logos ist und ich der recht­mässige Eigen­tümer. Ich habe ihn ja „bezahlt“. Gut kombiniert, mein lieber Watson.

Die Ära „Paco“

Paco ist ein Hund, der nie den Schnabel halten konnte, sein Eigentümer sogar ganz besonders. Nein, letzterer war kein Hund. Sondern, naja, nennen wir es besonders unbeliebt, unbeliebt nämlich bei meinem damaligen Arbeitgeber, der ihn mir zur Beratung in Sachen CMS und TYPO3 „übergab“, damit man ihn los war und er Ruhe gab. Das muss ihn so beeindruckt haben, dass er von Stund‘ an nicht mehr von meiner Seite wich, bis ich ihn endlich „geheiratet“ hatte. Dass nämlich die Gründung einer GbR fast einer Heirat entspricht, erfuhr ich erst viel zu spät von meinem Rechtsanwalt.

Er war ein Marketing-Genie, und ich fürchtete schon, binnen kürzester Zeit mehrfacher Millionär zu werden. Aber leider wurde nichts daraus, wohl hauptsächlich deshalb, weil ich einfach nicht schnell genug war im Erstellen von Bäcker-, Metzger-, Heilpraktiker- und Handwerker-Seiten aus dem schönen Münsterland, denen TYPO3 auf’s Auge gedrückt wurde, ob sie es brauchten oder nicht. Gnadenlos. Sinnlos. Wertlos.

Erschlafft wie ich war vom vielen Sinnlos-Webseiten-Machen, sehnte ich mich mehr denn je nach Thailand, dem Land des Lächelns, das mir fast schon als das Paradies auf Erden erschien angesichts des geballten Unsinns, den mir meine „Frau“ (sorry, Geschäftspartner) beinahe täglich offenbarte. Aber die Idee, in Thailand eine Niederlassung zu gründen, gefiel ihm. War es doch ein gewaltiger Schritt in Richtung multinationaler Global-Player. Dass er nicht einen einzigen Pfennig, DM oder Euro eigenen Kapitals in diese Firma steckte, ist nur ein völlig unwesentliches Detail am Rande. Meine Arbeit war ja genug für uns beide. Wozu heiratet man schliesslich? Es scheint symptomatisch zu sein für Ehepaare, dass mindestens einer von beiden nach einer Weile nur noch weg will. Also, auf nach Thailand!

Die Ära „richtige Firma“

Ich bin Geschäftsführer, das Stammkapital beträgt 2 Millionen thailändische Baht. Ich habe ein Jahresvisum und eine Arbeitserlaubnis für Thailand. Wir haben sieben Angestellte. Wir haben richtig gute Aufträge (naja, jedenfalls manchmal) und wir ziehen uns and den Haaren aus dem sprichwörtlichen Sumpf.

Nicht einen einzigen Pfennig überweist die deutsche „Konzernmutter“ nach Thailand. Wir finanzieren uns von Anfang an aus laufenden Rechnungen (das habe ich sogar schriftlich, von ihm unterschrieben). Schliesslich kommt es wie es kommen musste: Mr. Paco räumt das deutsche Girokonto leer, überweist irgendwo hin, wo ich keinen Zugriff habe, vierzehn Tage bevor die Löhne fällig sind. Ich rufe unseren Consulter an und „lasse die Hosen ‚runter“. Trotzdem geht es irgendwie weiter. Ich kündige den GbR Vertrag und wir verschmerzen den Verlust letztlich. Aber mir ist klar, dass ich es alleine nicht mehr schaffen kann. Die Arbeit wächst mir über den Kopf. Ich will die Firma nicht aufgeben, das Potential ist ausgezeichnet, die Mitarbeiter sind motiviert. Was tun? Kein Problem, der nächste Partner sitzt schon in den Startlöchern!

Die Ära „Porcellio scaber“

Wieder ein Tier? Porcellio scaber kommt vor allem in Kellern, Gärten, Ställen, Gewächshäusern und Komposthaufen vor, manchmal aber auch, in seiner breiten Form, in Thailand. Der kleine Seitenhieb sei mir bitte verziehen. Es tut mir auch leid, denn wer kann schon etwas für Teile seines Nachnamens? Wie dem auch sei, es scheint dass Internet-Domains mit hohem Pagerank diese Viecher magisch anziehen. Auch nicht nur eines, gleich mehrere kamen angekrabbelt. Wieder legen wir einen Traumstart hin. Zwei grosse Projekte, gleich am Anfang. Aber ich bin jetzt nicht mehr der „Big Boss“, sondern nur noch General Manager. Ich wollte es ja auch nicht anders. Arbeitsteilung hiess das Gebot der Stunde. Porcellio war der Kaufmann, ich der Techniker.

Allerdings hiess Arbeitsteilung hier, dass einer arbeitet und der andere teilt, wenn auch nicht unbedingt das, was ich mir erhofft hatte. Und vor allen Dingen nicht mit wem das der Fall war. Arbeiten durfte ich, ja das schon, bloss nicht an Projekten, das mussten andere tun, auch wenn sie das noch nicht richtig beherrschten, aber sie waren billiger. Statt dessen lernte ich endlich, wie man eine Weltfirma richtig führt: Berichte, Protokolle, Reports und Emails schreiben. Sinnlose Meetings ohne Ende. Wenn ich fertig war, fing ich wieder von vorne an. Kurz vor Mitternacht am Schreibtisch im Büro beim Reporte schreiben, wurde mir klar was mir fehlte. Ich war eben unfähig zu delegieren. Wie sonst wäre es möglich, dass fähige Leute bereits nach wenigen Stunden die Firma wieder verlassen konnten: Sie konnten es eben! Das Geld indes war da, nur leider nicht dort, wo es hingehört, nämlich in die Firma. Stattdessen partizipierte jetzt eine ganz andere Gattung, und zwar eine Vogelart, genauer die der Bordsteinschwalben (Pekunia et Sanktus Blasius), wenn Sie wissen was ich meine.

Mitte des Jahres 2009 ging es einfach nicht mehr. Ich kündigte, suchte mir ein Büro ganz in der Nähe und tat zwei Jahre lang das, was ich gelernt habe: Programmieren. Sonst nichts. Diese zwei Jahre lasse ich nun einfach weg, weil sie relativ ereignislos waren und den geneigten Leser nur langweilen würden. „Burli“ war am Horizont bereits zu erkennen. Nur schemenhaft zwar. Doch dann schrieb er mir eine SMS.

Die Ära „Burli“ – oder „Wer hat’s erfunden?“

Morgens um sieben weckt mich das Piepsen meiner mobilen Nervmaschine und verkündet: „Sie haben eine neue Nachricht.“ Ich habe sie bis heute aufgehoben.

Hallo Herr Bunkerd,
sehen Sie mich nicht als T3NET, sehen Sie mich als Kunde
und lassen Sie uns ‚mal reden.

Jetzt nahm das Schiksal erneut seinen Lauf und ich weiss nicht, welcher Teufel mich geritten hat, darauf einzugehen. Immerhin, ich hatte einiges gelernt. Das Intermezzo war nur von kurzer Dauer, soviel sei schon vorab gesagt. Jedenfalls erfuhr ich, dass Mr. Porcellio den Burli gar nicht gut behandelt und ihm angeblich übelst zugesetzt hatte. Burli hatte unterdessen die Firma von Porcellio gekauft und war auf der Suche nach dem „Besten TYPO3 Experten“ und, ob Sie es nun glauben oder nicht, er hatte mich dazu auserkoren. Geld sei ab sofort kein Problem und ein neues Office samt exklusiver Komplettmöblierung bereits geordert. Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht. Also sprach Burli und sendete mir den Grundriss samt Möblierungsplan per Mail. Sein Büro war natürlich etwas grösser als meines, klar.

Ich war zwar sprachlos, konnte aber gerade noch hervorstottern, dass meine Dienstleistungen Geld kosten würden, wie sonst hätte ich es schaffen können, nun schon zum zweiten Mal als Ausländer in Thailand vom absoluten Nichts in die Gewinnzone vorzustossen. Dieser Einwand beleidigte Burli und er gab mir zu verstehen, dass er ein Geschäftsmann reinsten Wassers sei und ich ihn doch bitte mit solchen Kinkerlitzchen wie Gehalt nicht aufhalten möge, das sei doch so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen.

Drei installierte Debian Server später und einigen Notoperationen bei Burlis Projekten, welche in die Hose zu gehen drohten, wollte ich genau das Geld, das Burli leider nicht hatte. Sie können sich nicht vorstellen, wie lange Banken sich Zeit lassen, Geld zu überweisen, das nicht auf dem Konto ist. Das Intermezzo war beendet, nach nur drei Wochen. Mein Geld habe ich bekommen, wenn auch die thailändische Geschäftsführerin hier einspringen musste. Burli war pleite, der Traum von der grossen weiten Welt – zerplatzt wie Seifenblasen.

Von jetzt an beobachtete ich die T3NET Webseiten sehr genau. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie verschwinden würden. Aber sie verschwanden nicht. Vielmehr gab es plötzlich Neue. Ich nahm Kontakt auf, die Firma war von sämtlichen Schädlingen befreit worden und in Händen einer integeren und gebildeten thailändischen Geschäftsfrau. Zeit nach Hause zu gehen…

Das letzte, was ich von Burli hörte, war das Angebot mit ihm zusammen ein Buch zu schreiben und zwar gegen Rückgabe der t3net.de Domain als Entlohnung. Arbeitstitel: Geschäftspraktiken in Thailand.

Ich habe ein Vertrag abgeschlossen und werde ein Buch Schreiben über das Jahr 2010…
zu überbieten ist es ja kaum was da alles gelaufen ist.
Gesendet vom T3NET Windows Mobile Phone darum in Kurzform

Dem ist nichts weiter hinzuzufügen. Burli hat sich selbst übertroffen. Er war etwa einen Monat hier vor Ort…
Ich überlege noch…

Die Ära „wieder zuhause“

Ja. Hier stehe ich, ich kann nicht anders.

Die Fakten

Wenn Sie, lieber Leser, es bis hierhin geschafft haben, dann haben Sie wohl grosses Interesse an unserer Firma, die nun hoffentlich endlich wachsen und gedeihen möge. Lesen Sie also bitte auch noch die letzten Zeilen und Sie werden wissen und verstehen, dass es nur eine T3NET gibt und zwar die deren Seiten Sie gerade aufgerufen haben. Fakt ist (und das ist hieb- und stichfest beweisbar):

  • Mehr oder weniger jeglicher Inhalt, den Sie auf einer anderen T3NET-Domain finden, ist mein geistiges Eigentum und wurde schlicht und ergreifend ohne jegliche Gegenleistung gestohlen.
  • Ich habe die Firma T3NET Co., Ltd. im Jahre 2009 an thailändische Staatsbürger verkauft und diese Firma war zu keiner Zeit im Besitz von Mr. Procellio oder Mr. Burli, ganz gleich, wie sie wirklich heissen mögen.
  • Die Internet-Domain t3net.de war immer in meinem persönlichen Besitz. Der vereinbarte Kaufpreis wurde niemals entrichtet. Somit sind die derzeitigen Besitzverhältnisse zumindest zweifelhaft.
  • Die offenen Rechnungen, die Burli bei mir hatte, wurden nicht von ihm bezahlt. Die thailändische Geschäftsführerin hat dies getan und zwar aus Eigenmitteln und überdies zusammen mit unzähligen anderen offenen Forderungen, die andere an Burli hatten.
  • Mr. Procellio war zu keiner Zeit Managing Director der T3NET Co., Ltd. (Thailand).

Nach der Lektüre dieses Artikels sind Sie sehr wahrscheinlich ohne Weiteres in der Lage zu entscheiden, welche T3NET die richtige für Sie ist. Herzlichen Dank für Ihre Zeit.

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